Grenzgänger

Ein Vogel am Rande seines Verbreitungsgebiets
steht vor der Wahl: weiterkommen oder umkehren.

Der Vogel am Rande seines Verbreitungsgebiets
der weiterkommen will muss zuvor einen Partner finden

sonst wird er – ohne Nachfahren – als Kuriosität sterben
per definitionem außerhalb seines Verbreitungsgebiets.

Eine schöne Aussicht ist das nicht.
Eine schöne Aussicht ist das ganz und gar nicht.

Darum vergleichen sich Menschen am Rande einer neuen Lebensphase
– und dieser Rand ist überraschend nah für den, der ihn sucht –

sich gern an der Türkentaube, erfolgreicher Kolonisatorin,
die 1947 geordnet in die Niederlande einfiel und eine

Vorhut in der Linde neben der Pfarrei von Posterholt stationierte.
Geplant, in Gruppen, dem Wort Strategie würdig.

Doch genauso wahrscheinlich ist das Szenario des hellblauen
Fischfängers der im Sommer einem guten Flusslauf nach Norden folgt

doch nach einer zweifelhaften Weihnacht knallt tot auf das Eis – der Eisvogel.
Man fliegt, sieht Bekannte, fliegt weiter, ein gutes Leben

das Fortsetzung verlangt. Bis man merkt, dass es arg still ist.
Dann ist es zu spät. Der Abendwind kommt auf.

Das ist lästig.
Das ist verdammt lästig.

Ohne sichtbaren Grund wenden sich Verwandte, Freunde,
Kollegen von einem ab. Der Briefkasten bleibt leer,

der Besuch weg und nichts ist daran zu ändern.
Auch den Pennern im Park kann man Kleider

und Obdach geben, doch sie verlassen nicht mehr die Höhle
ihres gemurmelten Selbstgesprächs.

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